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Guide

Auswandern nach Russland

Visum, Aufenthalt, Wohnung, Arbeit: der komplette Guide

Visum-Typen und Beantragung

Als Deutscher brauchst du für Russland ein Visum. Seit August 2023 gibt es das E-Visum. Einfach online beantragen, keine Einladung, kein Konsulatsbesuch. Gültig 120 Tage ab Ausstellung, Aufenthalt max. 30 Tage. Kostet ca. 50 EUR (rund 52 USD). Für einen ersten Trip reicht das, aber zum Auswandern brauchst du was anderes.

Die klassischen Visum-Typen: Touristenvisum (bis 30 Tage, Einladung nötig, z.B. über Hotel), Geschäftsvisum (1 Monat bis 5 Jahre, russische Firma lädt ein), Arbeitsvisum (bis 3 Jahre, Arbeitgeber lädt ein), Privatvisum (bis 1 Jahr, Privatperson lädt ein) und Humanitäres Visum (Kultur, Wissenschaft, Religion). Ohne Einladung geht nur das E-Visum. Seit 2024 neu: Über den "Shared Values"-Weg (Dekret 702) bekommst du ein spezielles 3-Monats-Privatvisum direkt beim Konsulat.

Wo beantragen?

Seit 2024 hat sich da einiges getan. Von sechs Konsulaten in Deutschland sind nur noch zwei offen: Berlin (Botschaft) und Bonn (Generalkonsulat). Hamburg, Leipzig, München, Frankfurt: alle dicht seit Januar 2024. Heißt: längere Wege, mehr Wartezeit. Plane das ein.

Dokumente und Kosten

Reisepass (mind. 6 Monate über Visum-Ablauf gültig), Visumantrag (online), Passfoto 3,5 x 4,5 cm, Einladung (je nach Typ), Krankenversicherung (mind. 30.000 EUR Deckung) und Finanznachweis. Kosten: Einmaliges Visum ca. 77 EUR (4-20 Werktage), Eilbearbeitung 154 EUR (1-3 Tage). Mehrfachvisum ca. 231 EUR. Plus Visa-Center-Gebühren von 35-70 EUR obendrauf.

Aufenthaltsgenehmigung (RVP, VNZh)

Willst du länger bleiben als dein Visum erlaubt, brauchst du eine Aufenthaltsgenehmigung. Zwei Stufen: erst die befristete Aufenthaltsgenehmigung (РВП / RVP), dann die unbefristete (ВНЖ / VNZh). Der RVP gilt 3 Jahre, Verlängerung gibt es nicht. Damit darfst du in deiner Region ohne extra Arbeitserlaubnis arbeiten. Der VNZh ist unbefristet und gilt in ganz Russland. Das ist das, worauf du hinarbeitest.

RVP: zwei Wege

Erster Weg: das Quotensystem. 2026 gibt es 3.802 Plätze für ganz Russland. Vergiss es, viel zu wenig. Zweiter Weg (und der, der für dich als Deutschen zählt): ohne Quote. Das geht, wenn du z.B. mit einem russischen Staatsbürger verheiratet bist oder in der RSFSR geboren wurdest. Und seit August 2024 gibt es den "Shared Values"-Weg (Dekret 702). Damit können Bürger aus 47 "unfreundlichen" Staaten (alle EU-Länder, also auch Deutschland) einen RVP ohne Quote bekommen. Bonus: Die sonst nötigen Prüfungen in Russisch, Geschichte und Recht fallen weg.

Dokumente für den RVP

Notariell beglaubigte Passübersetzung, 2 Antragsformulare, Fotos 35x45mm, polizeiliches Führungszeugnis, ärztliches Attest (HIV, Drogen, Infektionskrankheiten) und Einkommensnachweis. Gebühr: 1.600 RUB. Dauert ca. 4 Monate.

VNZh: der unbefristete Aufenthaltstitel

Den VNZh kannst du frühestens 8 Monate nach dem RVP beantragen. Gebühr: 6.000 RUB. Schnellere Wege ohne RVP: IT-Leute bei akkreditierten russischen Firmen bekommen den VNZh direkt. Genauso Hochqualifizierte (HQS) ab ca. 250.000 RUB/Monat Gehalt (750.000 RUB pro Quartal). Pflicht: Einmal im Jahr bei der Migrationsbehörde melden. Und wenn du länger als 6 Monate pro Jahr außerhalb Russlands bist, kann der VNZh weg sein.

Wohnung finden

Wohnungssuche läuft über CIAN.ru (gut für Moskau und Petersburg), Avito.ru (wie eBay Kleinanzeigen, riesig, aber pass auf Fake-Anzeigen auf) und Domclick (von der Sberbank). In Moskau nimm CIAN, in kleineren Städten ist Avito oft besser.

Preise (Stand Ende 2025)

Eine 1-Zimmer-Wohnung kostet im Schnitt ca. 30.900 RUB/Monat (etwa 310 EUR), zwei Zimmer ca. 43.700 RUB. Moskau ist natürlich teurer: 50.000-80.000 RUB für eine ordentliche Einzimmerwohnung. In Krasnodar oder Nowosibirsk zahlst du oft die Hälfte. Nebenkosten kommen mit 3.000-7.000 RUB/Monat dazu.

Kaution und Vertrag

Üblich ist eine Monatsmiete als Kaution (залог). Viele Vermieter wollen zusätzlich die erste Miete plus Makler. Mietvertrag immer schriftlich machen, auch wenn der Vermieter sagt "ist nicht nötig".

Das größte Problem als Ausländer

Dein Vermieter muss dich bei der Migrationsbehörde anmelden. Und zwar jedes Mal neu, wenn du aus- und wieder einreist. Manche haben da keinen Bock drauf und vermieten deshalb nicht an Ausländer. Kläre das vorher ab, bevor du unterschreibst.

Arbeit und Selbstständigkeit

Als Ausländer brauchst du eine Arbeitserlaubnis. Die beantragt dein russischer Arbeitgeber für dich (разрешение на работу). Hast du schon einen RVP oder VNZh, fällt das weg.

Selbstständigkeit als ИП (Einzelunternehmer)

Du kannst dich in Russland als ИП (Einzelunternehmer) registrieren, brauchst aber einen Aufenthaltstitel (RVP oder VNZh). Steuersysteme: УСН (vereinfacht, 6% auf Umsatz oder 15% auf Gewinn), Patentsystem (Pauschale) oder das allgemeine System. Den Selbstständigen-Status (самозанятый, 6%) gibt es für Deutsche leider nicht.

Steuern seit 2025

Einkommensteuer seit 2025 (progressiv): 13% bis 2,4 Mio. RUB/Jahr, 15% bis 5 Mio., 18% bis 20 Mio., 20% bis 50 Mio., 22% darüber. Achtung am Anfang: Solange du noch kein Steuerresident bist (unter 183 Tage in Russland), zahlst du 30% pauschal. Sozialabgaben zahlt der Arbeitgeber, ca. 30% auf dein Brutto. Mindestlohn 2026: 27.093 RUB/Monat.

Womit Deutsche hier arbeiten: IT, Sprachunterricht (Deutsch/Englisch), Übersetzung, Import/Export-Beratung, Gastronomie.

Anmeldung und Bürokratie

Миграционный учёт (Migrationsregistrierung)

Das Erste, was du nach der Einreise machen musst. Du hast 7 Werktage Zeit. Im Hotel macht das Hotel das für dich. In einer Privatwohnung muss dein Vermieter dich registrieren: persönlich beim Amt, per Post, oder seit März 2025 online über Gosuslugi. Seit September 2025: Kostet 500 RUB (erste Registrierung), Verlängerung 1.000 RUB. Frist verpasst? Dann drohen Geldstrafen, im schlimmsten Fall Einreiseverbot.

INN (ИНН, Steueridentifikationsnummer)

Brauchst du für Arbeit, Bankkonto, Selbstständigkeit. Beantragst du beim Finanzamt, Pass und Übersetzung mitbringen. Kostenlos, ca. 5 Werktage.

СНИЛС (Sozialversicherungsnummer)

Gibt es bei der Pensionskasse oder im MFC (Multifunktionszentrum). Brauchst du für Arbeit, Arztbesuche und seit 2025 auch fürs Bankkonto. Kostenlos, paar Tage.

Bankkonto eröffnen

Ist seit 2025 aufwändiger geworden. Du brauchst: Migrationsregistrierung, СНИЛС und ein verifiziertes Gosuslugi-Profil. Deine Visa oder Mastercard aus Deutschland? Funktioniert seit 2022 nicht mehr. In Russland läuft alles über das Kartensystem Mir.

Krankenversicherung und Gesundheitssystem

In Russland gibt es zwei Systeme: die staatliche Pflichtversicherung (ОМС) und die freiwillige Zusatzversicherung (ДМС).

ОМС (Pflichtversicherung)

Gibt es nur für russische Staatsbürger, Leute mit VNZh oder RVP und manche offiziell angestellte Ausländer. Damit kannst du in staatliche Polikliniken und Krankenhäuser. Kostenlos. Die Versorgung ist solide, aber ohne Russischkenntnisse wird es schwierig.

ДМС (Freiwillige/Private Versicherung)

Für die meisten von euch der richtige Weg. Kosten: Basis ab 3.000-5.000 RUB/Jahr, Economy 25.000-40.000 RUB/Jahr, Standard (meine Empfehlung) 50.000-90.000 RUB/Jahr, Premium ab 150.000 RUB/Jahr. Bekannte Versicherer: Ingosstrach, RESO-Garantija, Rosgosstrach, AlfaStrachowanije.

Notfallversorgung

Seit September 2025 per Gesetz geregelt: Egal ob staatlich oder privat, bei einem Notfall wirst du als Ausländer kostenlos behandelt. Notruf: 103 (Krankenwagen) oder 112 (allgemein).

Privatkliniken vs. Polikliniken

Privatkliniken sind schneller, moderner und manchmal spricht dort jemand Englisch. In Moskau und Petersburg z.B. European Medical Centre oder GMS Clinic. Ein Arztbesuch ohne Versicherung kostet 2.000-5.000 RUB in einer normalen Privatklinik. Apotheken gibt es an jeder Ecke, und vieles, was in Deutschland rezeptpflichtig ist, bekommst du hier einfach so.

Stand: März 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Die russische Bürokratie ändert sich häufig. Prüfe aktuelle Regelungen vor deiner Auswanderung beim zuständigen Konsulat.